Zwei Arten von brüchigen Nägeln
In der Dermatologie unterscheidet man zwei Formen — und auch wenn die Fachbegriffe sperrig klingen, hilft die Unterscheidung dabei, die Ursache zu finden:
Onychoschisis — die horizontale Variante
Hier splittert der Nagel schichtweise vom Rand her ab, fast wie Blätterteig. Das sieht aus, als würde die oberste Schicht sich langsam lösen. Diese Form entsteht meist durch äußere Einflüsse — zu viel Kontakt mit Wasser, aggressive Putzmittel, häufiger Nagellackentferner.
Onychorrhexis — die vertikale Variante
Der Nagel bekommt längs verlaufende Risse und splittert vertikal auf. Das deutet häufiger auf innere Ursachen hin: Nährstoffmangel, hormonelle Veränderungen, manchmal eine zugrunde liegende Erkrankung.
Kleine Selbstdiagnose
Schauen Sie sich Ihre Nägel genau an: Splittert die oberste Schicht horizontal ab wie Blätterteig? Oder laufen feine Risse von der Spitze Richtung Nagelbett? Die Antwort gibt schon mal einen ersten Hinweis, wo Sie ansetzen sollten.
Die häufigsten Ursachen
Zu viel Feuchtigkeit — und zu wenig
Das klingt widersprüchlich, ist aber die wahrscheinlich häufigste Ursache. Wer oft abspült, Wäsche wäscht, putzt oder in Gesundheitsberufen arbeitet, setzt seine Nägel dauerhaft Wasser und Tensiden aus. Das weicht die Nagelplatte auf. Nach dem Trocknen ziehen die Schichten ungleichmäßig zusammen — und brechen.
Gleichzeitig trocknet Heizungsluft im Winter die Nägel aus. Der Wechsel zwischen beiden Extremen ist besonders ungünstig.
Aggressive Pflegeprodukte
Acetonhaltiger Nagellackentferner ist der Klassiker. Er löst nicht nur den Lack, sondern auch die natürlichen Öle der Nagelplatte. Wer zwei- bis dreimal pro Woche lackiert und entfernt, beansprucht seine Nägel stark. Auch Gel- und Shellac-Maniküren schaden langfristig — durch das Abfeilen der Oberfläche wird die Hornschicht ausgedünnt.
Nährstoffmangel
Echter Mangel ist seltener als oft behauptet, aber kommt vor. Die relevantesten Kandidaten:
- Eisen — besonders bei Frauen häufig, oft mit Müdigkeit und blassem Teint kombiniert
- Biotin (Vitamin B7) — klassisches "Nagelvitamin"
- Zink — wichtig für Zellaufbau
- Vitamin B12 und Folsäure — bei chronischem Mangel entsteht Blutarmut, die sich auch auf die Nägel auswirkt
Bevor Sie sich mit teuren Präparaten eindecken: Eine ärztliche Blutuntersuchung sagt Ihnen zuverlässig, ob wirklich ein Mangel vorliegt. Nahrungsergänzung auf gut Glück ist selten sinnvoll.
Hormonelle Veränderungen
Schwangerschaft, Wechseljahre, Schilddrüsenfunktionsstörungen — alles das kann sich auf die Nägel auswirken. Besonders eine Schilddrüsenunterfunktion ist ein häufiger, oft übersehener Grund für brüchige Nägel und Haarausfall.
Medikamente und Therapien
Manche Medikamente greifen die Nagelstruktur an — Antibiotika, Chemotherapeutika, bestimmte Antiepileptika. Das ist meist vorübergehend und verschwindet nach Ende der Behandlung.
Bestimmte Erkrankungen
Schuppenflechte (Psoriasis), Hautekzeme und selten auch Stoffwechselerkrankungen zeigen sich oft an den Nägeln. Wenn Sie andere Symptome haben oder die brüchigen Nägel aus heiterem Himmel kommen, lohnt sich ein Check beim Hautarzt.
Was wirklich hilft
Die gute Nachricht: Die allermeisten Fälle von brüchigen Nägeln lassen sich mit ein paar konsequenten Änderungen im Alltag deutlich verbessern. Wunderkuren gibt es nicht — aber bewährte Strategien schon.
Pflegeroutine, die funktioniert
- Handschuhe bei Abwasch, Putzen und Gartenarbeit — klingt banal, wirkt Wunder
- Nägel nicht zu kurz schneiden und nur in eine Richtung feilen (besser: Glasfeile)
- Abends ein paar Tropfen Nagel- oder Mandelöl einmassieren
- Regelmäßig Handcreme, besonders nach dem Händewaschen
- Lackpausen einlegen — zwei bis drei Wochen ohne alles
Ernährung
Statt auf einzelne Supplemente zu setzen, hilft eine ausgewogene Ernährung: Hülsenfrüchte, Nüsse, Eier, fetter Fisch, grünes Gemüse. Wenn Sie sich vegetarisch oder vegan ernähren, macht es Sinn, Eisen, B12 und Zink im Blut checken zu lassen.
Medizinische Pflegelacke
Produkte mit Kieselsäure (z.B. aus Schachtelhalm), Calcium oder speziellen Keratin-Verbindungen können die Nagelplatte stärken. Sie wirken nicht über Nacht, aber über mehrere Wochen merklich. Beispiele sind Sililevo, Nailner oder Trind — gibt es in Drogerien und Apotheken.
Kleiner Test
Geben Sie Ihren Nägeln vier Wochen konsequente Pflege: Handschuhe, keine Lacke, regelmäßig Öl. Wenn sich nichts verbessert, ist das ein guter Moment für eine ärztliche Abklärung — besonders wenn andere Symptome dazukommen.
Wann Sie zum Arzt gehen sollten
Brüchige Nägel allein sind selten ein Grund zur Sorge. Aber in Kombination mit bestimmten Anzeichen lohnt sich der Weg zum Haus- oder Hautarzt:
- Plötzliche, starke Veränderung mehrerer Nägel
- Gleichzeitig Haarausfall, Müdigkeit, Gewichtsveränderungen
- Nägel verfärben sich (eventuell Nagelverfärbung oder Nagelpilz)
- Schmerzen oder Entzündungen am Nagelrand
- Keine Besserung nach sechs bis acht Wochen Pflege
Quellen
- Apotheken Umschau — Brüchige Nägel: Ursachen und Maßnahmen
- Fernarzt — Brüchige Fingernägel: Ursachen und Behandlung
- Hautarztpraxis Dr. Kirschner — Was tun bei brüchigen Nägeln?
- Deutsche Dermatologische Gesellschaft (DDG)